02.10.2018

Vlogger

Vlogger – Wort des Tages – EVS Translations
Vlogger – Wort des Tages – EVS Translations

Sucht man nach einem ultramodernen Wort, das einerseits etwas aussagt über die inklusiven, privaten und sozialen Aspekte des Internets und andererseits über die Technologie, dann hätte unser heutiges Wort wahrscheinlich gute Chancen. Weltweit sehen mehr als 44 % von uns mindestens ein Vlogger-Video pro Monat. Diese Videos können sorgfältig ausgearbeitet sein, oder sie können von jemandem ins Netz gestellt werden, der einfach ein Smartphone oder eine Kamera am ausgestreckten Arm hält. Dabei geht es um ein breit gefächertes Spektrum von Emotionen, Themen und Meinungen. Unser heutiges Wort, das man wohl tatsächlich sehen muss, um es ganz zu verstehen, heißt Vlogger.

Zunächst einmal ist ein Vlogger jemand, der ein VLog, oder auch Video Weblog, produziert. Es geht also um einen Video-Blogger, der ein Video von sich aufzeichnet, während er Alltagstätigkeiten ausführt und dieses Video dann ins Internet stellt, um es mit anderen zu teilen. Zerlegt man das Wort, hat man zum einen das Grundwort log, die Kurzform von log-book, als etwas, worin man Beobachtungen aufzeichnet. In der Zusammensetzung weblog steckt eine Verkürzung von ‘world wide web’. In der Zusammensetzung mit Video, vom lateinischen video, ‘ich sehe’ oder, wie in diesem Fall, als Bezeichnung für das visuelle Medium, entsteht der Begriff vlog. Fehlt nur noch die Endung -er, und schon haben wir die Bezeichnung für eine ‚Person, die etwas tut‘. Alles zusammen ergibt also eine Person, die eine visuelle Aufzeichnung ihrer täglichen Erfahrungen für ein Internet-Publikum herstellt.

Der erste Nachweis des Begriffs findet sich auf der persönlichen Website des Autors Jeff Jarvis – BuzzMachine.com – wo er am 31. Dezember 2002 in einem Eintrag folgendes schrieb: “Bloggers compete with columnists; vloggers compete with pundits.” Davon abgesehen ist das Aufzeichnen von Gefühlen und Gedanken mit einer Videokamera sehr beliebt geworden, seit sich praktisch jeder eine Videokamera leisten kann. Einige sind sogar der Meinung, dass der New Yorker Künstler und Videofilmer Nelson Sullivan in seinen Videos aus den 1980iger Jahren bereits einen dem Vlog ähnlichen Stil verfolgte. Das Wesen des Vloggens ist aber nicht das eines rein künstlerischen Ausdrucksmittels und einer eingeschränkten Verbreitung, sondern der Vlogger lebt von der massenhaften Verbreitung seiner Videos, und hierfür braucht er das Internet.

Die Geburtsstunde des Vlogs und des Vloggers, so wie wir sie kennen, kann auf verschiedene unzusammenhängende Ereignisse des Jahres 2002 zurückverfolgt werden. Der tatsächlich erste Vlog (und damit der erste Vlogger) tauchte am 2. Januar 2000 auf. Damals postete Adam Kontras in Zusammenhang mit seinem Blog-Eintrag ein Video, um Freunden von seinem Umzug nach Los Angeles zu berichten, der mit dem Show-Business in Zusammenhang stand. In einer Video-Kurzanleitung vom November 2002 spricht Adrian Miles zum ersten Mal von seinem Video-Blog als vog (dem Vorgänger von vlog). Und schließlich startete der Filmemacher Luuk Bouwman, der 2002 nach seiner Ausbildung ein Videotagebuch über seine Reisen drehte, eine Webseite namens Tropisms.org, um seine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Diese Webseite war eine der ersten, die als Vlog oder Videolog bezeichnet wurden.

Anfangs arbeiteten Vlogger vollkommen unabhängig und für sich allein, bis 2005 YouTube kam. Mit der allgemeinen Einführung der Smartphones mit Videofunktion Mitte bis Ende 2000 wurde das Internet von fähigen Vloggern geradezu überschwemmt. Heute machen Vlogger und ihre Vlogs einen erheblichen Prozentsatz der mehr als 400 Videostunden aus, die pro Minute auf YouTube hochgeladen werden, und sind damit mitverantwortlich für die ungeheuerliche Zahl von 1 Milliarde Stunden, die Nutzer täglich mit dem Anschauen von Videos auf YouTube verbringen. Gleichzeitig entstehen durch sie neue Plattformen wie z. B. Periscope, SnapChat, und Facebook Video.

Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass die enorme Anziehungskraft und das Interesse an Vlogging einige Vlogger sehr reich gemacht hat: der YouTube-Vlogger Logan Paul verdiente damit 2017 angeblich 11 Millionen EUR, zum großen Teil wegen der allgemeinen Bekanntheit, die er als Blogger erlangte. Das reichte aber trotzdem nur für den 4. Platz bei den YouTube Stars, denn er verdiente 3,5 Millionen EUR weniger als der Topstar Daniel Middleton. Wenn Sie sich nicht unbedingt zum Vlogger berufen fühlen, dann versuchen Sie doch mal, Videos von Minecraft hochzuladen.